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Roland Berger diskutiert in Paris mit Henry Kissinger und französischen Politikern und Top-Managern über Weltpolitik

Henry Kissinger im Gespräch mit EC-Mitglied Charles-Edouard Bouée und AXA CEO Henri de Castries
Am 6. Dezember lud Roland Berger Strategy Consultants in seinem Pariser Büro zu einem Roundtable mit dem ehemaligen US-Außenminister und Friedensnobelpreisträger Dr. Henry Kissinger ein. Der weltberühmte Buchautor und Diplomat sprach dabei über große internationale Themen und Herausforderungen für die neu gewählte Regierung Obamas: von der Währungskrise Europas über Russlands Politik bis hin zur Rolle Amerikas in der Weltpolitik und Chinas Reformbedarf.

An der Debatte in der französischen Hauptstadt beteiligten sich Unternehmensgründer Roland Berger und 12 weitere Roland Berger-Partner, darunter Asia-Chef und Mitglied der globalen Geschäftsführung Charles-Edouard Bouée und Managing Partner Michel Jacob. Ein hochkarätiges Publikum von 40 französischen Top-Entscheidern aus Wirtschaft und Politik nahm an der exklusiven Veranstaltung teil. Unter anderem: Tom Enders (CEO, EADS); Henri de Castries (CEO, AXA) ; Philippe Varin (CEO, PSA); Lionel Zinsou (CEO, Pai Partners); Laurence Parisot (Vorsitzende des französischen Arbeitgeberverbands MEDEF); Pierre André de Chalendar (CEO, Saint Gobain); Elisabeth Guigou (ehemalige Ministerin und Mitglied der französischen Nationalversammlung) und Paul Jean-Ortiz (außenpolitischer Berater des französischen Präsidenten François Hollande).
Von rechts nach links: Henri de Castries (AXA), Roland Berger, Laurence Parisot (MEDEF), Lord Malloch Brown, Ramon Fernandez (Ministère du Budget)
Eine neue Weltordnung schaffen

Kissingers jahrzehntelange Erfahrung als Außenminister und seine tiefe Kenntnis der Weltpolitik prägten seine 90-minütige Rede. Er betonte, dass in der internationalen Politik aktuell viel auf dem Spiel stehe, es gehe hier um den Aufbau einer neuen Weltordnung. Andere Nationen dürften sich dabei nicht nur auf die USA verlassen, sagte Kissinger, da die Vereinigten Staaten derzeit ihre eigene Rolle neue definieren müssten. Und er sprach sich gegen die Rolle der Vereinigten Staaten als "Wächter der Welt" aus. Es gäbe kein Gesetz, das besage, die USA müssen bei allen Kriegen intervenieren. "Leben zu retten ist ehrenvoll, aber man muss genau wissen wohin man geht", warnte der ehemalige amerikanische Außenminister.

Außerdem stellte Kissinger infrage, ob die politischen Umwälzungen des Arabischen Frühlings wirklich ein Ausdruck von Demokratie seien. Denn die Menschen, die die Revolution begonnen haben, seien schließlich nicht diejenigen, die am Ende erfolgreich seien. Im Bezug auf den Mittleren Osten prognostizierte Kissinger, dass das Interesse der USA für diese Region aufgrund der zunehmenden Unabhängigkeit in der Energieversorgung abnehmen wird.

Für neue Industriestaaten wie China oder Indien dagegen werden ölexportierende Länder künftig eine wichtige strategische Rolle spielen. Dieses Phänomen werde die internationale Politiklandschaft stark prägen. Eine weitere Änderung der globalen Weltordnung könne durch den Versuch Chinas entstehen, die Vereinigten Staaten als Supermacht abzulösen. Doch Kissinger sieht hier keine Gefahr: "Ein Land auf Wachstumskurs fordert andere Länder nicht unbedingt heraus."

Die EU und das Prinzip der Leadership

Kritik übte Henry Kissinger gegenüber Europa: Die Europäische Union tendiere dazu, grundsätzliche Probleme nicht anzugehen und sie so zu verschleppen. Sollte Europa keinen Ausweg aus diesem Dilemma finden, müsse es über ein neues Modell nachdenken, warnte Kissinger: "Die EU bräuchte ein alternatives Konzept, das die politische Einheit Europas bewahrt, aber gleichzeitig stärkere und weniger uniformierte wirtschaftliche Strukturen schafft."

Um die aktuelle Krise zu bewältigen, brauche Europa aber vor allem Führungspersönlichkeiten mit ausgeprägter Kooperationsbereitschaft und einer langfristigen Vision, die in der Lage seien, Nachwuchskräfte zu inspirieren und zu mobilisieren. "Ich denke, das ist machbar. Was wir nicht mehr brauchen, sind Entscheider, die sich damit begnügen ein Problem nach dem anderen zu lösen", resümiert Kissinger.
17.12.2012
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