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Roland Berger-Studie "Die Zukunft des Retail Bankings in Europa": Direktbanken weiter auf dem Vormarsch

München, 11. Oktober 2013

  • Umfrage von Roland Berger Strategy Consultants unter Führungskräften von mehr als 60 europäischen Banken
  • Rund die Hälfte der europäischen Banken rechnet mit sinkenden Erträgen im Retail-Geschäft; in Deutschland sogar 70 Prozent
  • Etablierten Banken droht starke Konkurrenz durch neue Marktteilnehmer, insbesondere im Zahlungsverkehr
  • Direktkanäle gewinnen an Wichtigkeit für Ertragsgenerierung und Kundengewinnung
  • Roland Berger-Experten: Neudefinition des Geschäftsmodells in zwei Phasen möglich

Wie sieht die Zukunft des Retail Bankings in Europa aus? Dazu haben Branchenexperten von Roland Berger Strategy Consultants Top-Führungskräfte von mehr als 60 Banken in 15 europäischen Ländern befragt, darunter auch neun deutsche Institute. Herausstechendes Ergebnis der Umfrage: Die Branche erwartet große Herausforderungen und sieht ihre Profitabilität unter Druck: Insgesamt rund die Hälfte der befragten Banken rechnet damit, dass die Erträge im Retail-Geschäft in den nächsten Jahren weiter zurückgehen werden.

Dabei ist das Bild europaweit nicht einheitlich: In Deutschland ebenso wie in Nordeuropa gehen rund 70 Prozent der Befragten von rückläufigen Erträgen aus, während süd- und westeuropäische Banken überwiegend mit einem leicht positiven Trend rechnen. "Besonders in Südeuropa sehen sich viele Banken bereits in der Talsohle angekommen", sagt Frank Heideloff, Partner von Roland Berger. "Sie erwarten nun einen Aufstieg, unterstützt durch niedrige Gehälter der Bankangestellten aufgrund des schwachen Arbeitsmarktes und einen abgeschwächten Wettbewerb durch die erfolgte Konsolidierung und den Rückzug internationaler Banken." In Deutschland sei der Kampf um günstige Konditionen einerseits und Einlagen andererseits hingegen hart.

Zusätzlich geht für die etablierten Banken eine große Gefahr von neuen Marktteilnehmern aus: Die meisten Befragten gehen davon aus, dass Nichtbanken wie beispielsweise Einzelhändler, Internetfirmen, Telekommunikationsanbieter oder Plattformen auf den Markt vordringen und insbesondere im Zahlungsverkehr und bei einfachen Spar- und Giroprodukten mit den Banken um Erträge konkurrieren werden. So gefährden etwa Geldauszahlungen und Verbraucherkredite im Einzelhandel die Banken in ihrem Kerngeschäft, während im Internet Dienste wie Paypal weiter heranreifen.

Direktkanäle: unverzichtbar für Ertrag und Neukundengewinnung

Die Roland Berger-Studie zeigt auch die zunehmende Bedeutung von Direktkanälen für die Ertragsgenerierung und die Gewinnung neuer Kunden. "In Deutschland gehen mehr als drei Viertel unserer Befragten davon aus, bereits bis 2015 mehr als 20 Prozent ihrer Erträge über Kanäle wie Online Banking und Mobile Banking via Smartphone und Tablets zu generieren", sagt Heideloff. Fast genauso viele Top-Banker erwarten, bis 2015 jeden fünften Neukunden über Direktkanäle zu gewinnen. "Vor allem das Mobile Banking wird weiter stark wachsen", sagt Heideloff: "2015 werden bereits mehr als 40% aller einfachen Transaktionen über Mobile Banking erfolgen."

Passend dazu geben rund ein Drittel der Banken an, dass Investitionen in den nächsten Jahren primär in die digitalen Kanäle fließen müssen. Neben den fast schon klassischen digitalen Kanälen wie Online und Mobile Banking sind in diesem Zusammenhang auch Ansätze wie Videoberatung und Chat-Funktionen Thema.

Um die Profitabilität und das Vertrauen der Kunden wieder herzustellen, sehen die befragten Banken verschiedene Ansatzpunkte: 95 Prozent möchten ihren Vertrieb verbessern, etwa durch Direktkanäle. 90 Prozent halten das Preismodell und die Preisgestaltung für wichtig. 75 Prozent wollen ihre Filialdichte senken und verbesserte Kundennähe und Erreichbarkeit durch andere Kanäle sichern. 80 Prozent werden die Kosten im Bereich Service reduzieren. Und 90 Prozent planen flachere Hierarchien und vereinfachte Prozesse. "Eine durchgängige Vereinfachung und Automatisierung von Prozessen ist sicher der wichtigste Hebel, um in den nächsten Jahren die Kosten zu senken – noch vor der Schließung von Filialen oder einer Mitarbeiterreduzierung im Vertrieb", sagt auch Roland Berger-Experte Heideloff.

Neudefinition des Geschäftsmodells von Retail-Banken

Für Heideloff lautet das Fazit aus den Ergebnissen der Umfrage: "Europas Banken müssen ihr Geschäftsmodell neu definieren, um das Retail Banking zukunftsfähig zu machen." Mit einem europäischen Team bei Roland Berger Strategy Consultants hat der Experte ein Vorgehen in zwei Schritten ausgearbeitet:

  • Im ersten Schritt sollten die Grundlagen für ein neues Geschäftsmodell geschaffen und das Vertrauen der Kunden wieder hergestellt werden. Dazu gehören unter anderem ein Vertrieb, der stärker individualisierte CRM (Customer Relationship Management)-Strategien zur Kundengewinnung nutzt, eine nahtlose Verzahnung der Filialwelt mit dem digitalen Vertrieb sowie eine konsequente Nutzung von Synergien zur Kostensenkung.
  • In einem zweiten Schritt sollte es dann darum gehen, das Geschäftsmodell langfristig erfolgreich zu machen, sozusagen "neu zu erfinden". Das betrifft unter anderem eine echte und vollständige Integration der verschiedenen Vertriebskanäle, die aufgrund des großen Anpassungsbedarfs im Bereich der IT bereits heute vorzubereiten ist. Die Neugestaltung des Filialnetzes und das Erschließen neuer Ertragsquellen werden weitere Handlungsfelder sein. Gleichzeitig sollten Retail Banken ihr operatives Modell langfristig konsequent auf Einfachheit und eine höhere Flexibilität ausrichten.
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