• Alumni  
  • FacebookTwitterLinkedInXingGoogle+RSS
  • Länderseiten
 
 
 

Die digitale Transformation kann Europas industrielle Wertschöpfung bis 2025 um 1,25 Billionen Euro erhöhen – oder um 605 Milliarden Euro schmälern

München, 17. März 2015

  • Neue Studie von Roland Berger und dem BDI zeigt: Die digitale Transformation stellt Europas Industrie vor einen radikalen Strukturwandel
  • Bestehende Geschäftsmodelle zu optimieren reicht nicht aus, Unternehmen müssen neue Geschäftsfelder erschließen
  • Nur durch gemeinsames Handeln von Industrie und Politik in der Digitalisierung kann der Industrieanteil in Europa bis 2020 von 16 auf 20 Prozent steigen
  • Europa braucht ein eigenes "Digital Valley"

Europas Industrie steht vor einem radikalen Strukturwandel, denn die digitale Transformation bietet enorme Chancen – bringt aber auch große Herausforderungen mit sich. Die Roland Berger-Studie "Die digitale Transformation der Industrie" in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) untersucht Ursachen und Auswirkungen der Digitalisierung auf die Industrie in Deutschland und Europa und errechnet ihren wirtschaftlichen Gesamteffekt.

So gehen die Experten davon aus, dass die Digitalisierung der Industrie allein für Deutschland bis 2025 ein zusätzliches kumuliertes Wertschöpfungspotenzial von 425 Milliarden Euro eröffnet. Für Europa sind es sogar 1,25 Billionen Euro. Gelingt es nicht, die digitale Transformation zum Vorteil Europas zu gestalten, wird die europäische Industrie allerdings in diesem Zeitraum bis zu 605 Milliarden Euro einbüßen.

Europa sollte daher schnell handeln: Europäische Unternehmen müssen ein tieferes Verständnis der digitalen Transformation entwickeln und neue, tragfähige Geschäftsmodelle erarbeiten. Sonst könnten branchenfremde Marktteilnehmer, die über eine hohe Digitalisierungskompetenz verfügen, sie aus lukrativen Teilen der Wertschöpfung verdrängen. "Ebenso notwendig ist es, digitale Industriestandards im Sinne der europäischen Wirtschaft mitzugestalten und die Infrastruktur entsprechend auszubauen", empfiehlt Stefan Schaible, CEO für Deutschland und Central Europe von Roland Berger Strategy Consultants. "Wir brauchen ein "Digital Valley" für Europa, um eine bessere Vernetzung der europäischen Digitalwirtschaft zu ermöglichen."

Digitalisierung verändert Wertschöpfung grundlegend

Mithilfe digitaler Systeme werden Unternehmen in Zukunft in der Lage sein, große Datenmengen über Produktionsprozesse, Lieferanten und Kunden zu erheben, zu verarbeiten und auszuwerten. Dadurch können Firmen Marktentwicklungen präziser vorwegnehmen und noch zielführender Entscheidungen treffen. Produktionsprozesse werden durch die fortschreitende Entwicklung und mit Einsatz künstlicher Intelligenz einen neuen Grad der Automatisierung erreichen. Dank einer leistungsstärkeren Vernetzung der Wertschöpfungsschritte lassen sich Lieferketten besser synchronisieren, Produktionszeiten kürzen und Innovationszyklen beschleunigen. Auch werden die spezifischen Kundenbedürfnisse transparenter. So lassen sich völlig neuartige Produkte und Leistungen entwickeln und anbieten.

Diese Faktoren werden die Wertschöpfungsketten in der Industrie grundlegend ändern. Aus den klassischen, zeitversetzten Wertschöpfungsketten entstehen dynamische Wertschöpfungsnetzwerke. Kommunikation und ständiger Austausch zwischen Produktionseinheiten, Unternehmensabteilungen und externen Lieferanten flexibilisieren die Wertschöpfungsketten.

Gefahr "ge-ubert" zu werden

Damit eröffnen sich neue Chancen für die existierenden Marktteilnehmer, aber auch für branchenfremde Akteure etwa aus der IT-Industrie. Etablierte Firmen mit großem Know-how in ihrer Branche können so schnell ins Hintertreffen geraten. Bisherige Branchenführer drohen "ge-ubert" zu werden – in Anspielung auf den digitalen Dienstleister "Uber", der mit seiner Applikation international den etablierten Fahrdienst- und Taximarkt herausfordert. "Ob vor einigen Jahren durch Amazon oder zuletzt Uber – diese Beispiele zeigen, wie radikal Marktumbrüche durch die digitale Transformation ausfallen können", sagt Stefan Schaible. "Auf dieses neue Wettbewerbsumfeld müssen sich Dienstleister und Industrie zügig einstellen. Neue, unternehmensübergreifende Kooperationen sind hierfür nötig – durchaus auch mit Wettbewerbern, zum Beispiel bei der Pilotierung und beim Aufbau gemeinsamer digitaler Plattformen und Geschäftsmodelle."

Die Digitalisierung wird die verschiedenen Branchen der europäischen Industrie zeitversetzt und unterschiedlich intensiv treffen. So erfasst die Digitalisierung schon mit großer Wucht die Branchen Automobil und Logistik. Ihnen eröffnet sie bis zum Jahr 2025 ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial von 445 Milliarden Euro. Die zweite Digitalisierungswelle wird Maschinen- und Anlagenbau, Elektroindustrie sowie Medizintechnik betreffen und bis 2025 ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial von 630 Milliarden Euro bieten. Die dritte Welle der Digitalisierung erfasst schließlich Chemieindustrie und Luftfahrttechnik, die durch sie bis 2025 ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial von 175 Milliarden Euro erschließen könnten. Diese Potenziale gilt es zu nutzen!

Industrie und Politik müssen handeln

"Europa hat gute Chancen, gestärkt aus der digitalen Transformation hervorzugehen. Für das ambitionierte Ziel der EU-Kommission, den Industrieanteil an der Wirtschaftsleistung der Union bis 2020 von 16 auf 20 Prozent zu erhöhen, ist dies ein wesentlicher Handlungspunkt", sagt Stefan Schaible. Handeln müssen dabei sowohl die europäischen Unternehmen als auch die Politik.

So müssen die Unternehmen dringend ihre digitale Reife erhöhen: Oft sehen Firmen in der Digitalisierung nur ein Mittel, ihre Effizienz zu steigern. Doch das ist nur ein Teilaspekt: Wichtiger, so die Roland Berger-Studie, ist die Erschließung neuer Wertschöpfungspotenziale. Dafür sollten sich die Unternehmen ein tieferes Verständnis für die digitale Thematik und ihre Marktfolgen aneignen.

Zudem muss die europäische Wirtschaft ihre Kräfte bündeln, um die Definition von gemeinsamen Standards mitzugestalten. Denn Europas Industriestärke liegt in der Software, die in ihren Produkten eingebettet ist. Industriestandards, die etwa allein in den USA global gesetzt werden und keinen Gestaltungsfreiraum für die spezifischen Konfigurationen der europäischen Industrie lassen, gefährden die industrielle Zukunft Europas.

Insbesondere an die Akteure der europäischen Politik adressiert die Studie die Forderung nach dem Ausbau einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur. Flächendeckende Breitbandnetze bilden das Rückgrat einer Digitalisierung der Wirtschaft. Dabei spielt Datensicherheit eine wesentliche Rolle.

Europa braucht ein "Digital Valley"

Ähnlich wie in den USA setzen sich die Roland Berger-Experten für die Gründung eines europäischen "Digital Valley" ein, um die digitale Wirtschaft besser zu unterstützen. "Verglichen mit den USA ist die digitale Landschaft in Europa in hohem Maße zersplittert, geprägt von der Heterogenität seiner Akteure", sagt Stefan Schaible. Nach Marktkapitalisierung betrachtet, finden sich 13 der Top 20 digitalen Unternehmen in den USA, sieben in Asien – keines der Unternehmen ist europäischen Ursprungs.

Vor allem die Vernetzung dreier wesentlicher Bestandteile begründen Roland Berger Strategy Consultants zufolge den Erfolg digitaler Plattformen wie im amerikanischen Silicon Valley oder in Shanghai Shenzhen in China: Innovatoren, Venture Capital und Talente. Aber auch weitere Stakeholder wie Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Entscheidungsträger müssen Teil eines großen europäischen Netzwerks werden. Hier haben Roland Berger Strategy Consultants die Initiative ergriffen und Terra Numerata™ gegründet – eine Plattform, die Europas Wirtschaft beim Eintritt in die digitale Ära unterstützt.

Methodik und Autoren

Das analytische Fundament der Studie bilden Workshops mit Industrieexperten, eine Umfrage unter mehr als 300 deutschen Top-Entscheidern sowie 30 Interviews mit Vorständen und Technologieverantwortlichen in DAX-Konzernen und bei führenden Mittelständlern. Die Autoren der Studie sind erfahrene Partner und Experten aus verschiedenen Fachbereichen ("Competence Centers"/CCs) bei Roland Berger Strategy Consultants: Prof. Dr. Björn Bloching (Partner im CC Digital), Philipp Leutiger (Partner im CC Digital), Prof. Dr. Torsten Oltmanns (Partner im CC Global Marketing), Carsten Rossbach (Partner im CC Engineered Products & High Tech), Dr. Thomas Schlick (Partner im CC Automotive), Gerrit Remane (Senior Consultant im CC Engineered Products & High Tech), Paul Quick (Consultant im CC Digital) und Oksana Shafranyuk (Senior Researcher im Bereich Services).

Top

Weitere Press releases