• Alumni  
  • FacebookTwitterLinkedInXingGoogle+RSS
  • Länderseiten
 
 
 

E-Mobilität: Leichtbau kann die Entwicklung der Elektroautos beflügeln – Radikale Leichtbaukonzepte bleiben aber die Ausnahme

München/Aachen, 26. März 2015

  • "Index Elektromobilität" von Roland Berger Strategy Consultants und der Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen mbH Aachen für das erste Quartal 2015: Strengere CO2-Grenzwerte zwingen europäische Automobilhersteller zu einer neuen Modellstrategie
  • Leichtere Materialien können das Batteriemehrgewicht kompensieren, doch modulare Fahrzeugplattformen schränken Einsatzmöglichkeit von Leichtbaukonzepten ein
  • China zeichnet sich durch aktive Industrie- und Steuerungspolitik aus: Hohe Fördermittel lassen die Absatzzahlen der E-Modelle in den letzten 12 Monaten verdoppeln

Deutsche Automobilhersteller (OEMs) haben ihre Führungsposition bei Elektro- und Hybridfahrzeugen aufgrund eines schlechteren Preis-Leistungs-Verhältnisses der Fahrzeuge verloren und belegen nun den vierten Platz. Dies liegt vor allem an den Ende 2014 ausgelaufenen Förderprogrammen für Forschung und Entwicklung und an einem größeren Angebot an teuren Elektromodellen in der Mittelklasse.

Auf der Absatzseite schließt Deutschland mit 13 Prozent Wachstum zwar weiter zu den führenden Nationen Frankreich, Japan und USA auf, liegt aber trotzdem weiterhin nur im Mittelfeld. Das ergab die Auswertung des neuen "Index Elektromobilität" von Roland Berger Strategy Consultants und der Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen mbH Aachen (fka) für das erste Quartal 2015. Der Index vergleicht die relative Wettbewerbsposition der sieben führenden Automobilnationen (Deutschland, Frankreich, Italien, USA, Japan, China und Südkorea) im Bereich der Elektromobilität. Dabei werden die Indikatoren Technologie, Industrie und Markt analysiert.

"Deutsche Autokonzerne haben in den vergangenen Jahren sehr viel in die Entwicklung der Elektromobilität investiert und nun ein hohes technisches Niveau erreicht", sagt Roland Berger-Partner Wolfgang Bernhart. "Dadurch lässt sich die Serienproduktion von E-Modellen auch auf das Mittelklassesegment erweitern. Doch Automobilhersteller kämpfen immer noch mit hohen Batteriekosten und -gewicht."

Strengere CO2-Grenzwerte und Leichtbaumaßnahmen können E-Mobilität beflügeln

Ab 2020 müssen 95 Prozent der neu zugelassenen Autos in Europa die festgelegten CO2-Grenzwerte einhalten; diese werden ab 2021 weiter verschärft. Dann dürfen neue Pkws im Durchschnitt nur 95 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer ausstoßen – aktuell sind es 130 Gramm. Die Verschärfung der europäischen Richtlinien setzt Automobilhersteller immer stärker unter Druck: In den kommenden Jahren werden sie in allen Modellreihen mindestens ein Hybrid- oder ein vollständiges Elektromodell anbieten müssen, um die CO2-Grenzwerte einzuhalten. "Die strengeren europäischen Richtlinien begünstigen vor allem die Premium-Hersteller", erklärt Roland Berger-Partner Thomas Schlick. "Denn mit ihren hochpreisigen Modellen finden sie eher Käufer bei ihrer zahlungskräftigen Kundschaft als Hersteller von Volumenfahrzeugen."

Doch das soll sich in Zukunft ändern, da die Voraussetzungen für den Bau kostengünstiger und technisch ausgereifter Elektroautos vorhanden sind. Ein deutlicher Schwung für die Weiterentwicklung der Elektromobilität kann durch den Einsatz von Leichtbaumaßnahmen kommen. Denn Autohersteller müssen das Gewicht der E-Autos deutlich reduzieren, um das zusätzliche Batteriegewicht zu kompensieren. Doch bislang richten sich das Design, die modularen Baukastensysteme und Werkstoffe der Fahrzeuge immer noch nach den konventionellen Baureihen.

"Durch die modularen Baukastensysteme können Autohersteller höhere Stückzahlen zu niedrigeren Kosten erzielen", erläutert Markus Thoennes, Senior Engineer bei der fka. "Allerdings können Elektroautos zwischen 10 und 30 Prozent schwerer sein als konventionelle Fahrzeuge. Dadurch werden sie ineffizienter. Aus diesem Grund sollten Automobilhersteller stärker auch auf alternative Materialien wie faserverstärkte Kunststoffe und Aluminium setzen. Ein vollständiger Umstieg auf Leichtbaukonzepte wird aber in der nächsten Zukunft aus Kostengründen noch nicht möglich sein."

China ist Spitzenreiter in der Förderung der E-Mobilität

Seit Jahren treibt China den Ausbau der Elektromobilität mit umfassenden Förderprogrammen voran: Die Regierung subventioniert die Entwicklung der E-Mobilität mit aktuell fast 7,7 Milliarden Euro. Außerdem hat China sein Ladestationsnetz ausgebaut und ein Kooperationsnetzwerk für staatliche Unternehmen gegründet, die sich mit E-Mobilitätslösungen befassen.

Doch noch viel wichtiger ist die aktive Industrie- und Steuerungspolitik des Landes: "Ausländische Automobilkonzerne können ihre Elektrofahrzeuge in China nur dann zulassen, wenn einer ihrer drei Schlüsselkomponenten – Motor, Batterie oder Leistungselektronik – von einem chinesischen Patentinhaber geliefert werden", sagt Markus Thoennes.

Trotzdem: China ist zwar nach absoluten Absatzzahlen (53.000 Neufahrzeuge) weltweit der zweitgrößte Markt für E-Autos, der Anteil an verkauften Elektro- und Hybridfahrzeugen am Gesamtmarkt liegt mit 0,2 Prozent weit hinter den führenden Autonationen zurück. So wächst der Druck auf die chinesische Regierung, damit die Feinstaubbelastung in den großen Ballungszentren deutlich reduziert wird. Deshalb fördern die neuen Programme nur noch Hybrid-Fahrzeuge und reine Elektroautos. Außerdem setzt China verstärkt auf Elektrofahrräder und -roller sowie auf alternative Antriebskonzepte im öffentlichen Nahverkehr.

Technologie – Industrie – Markt: Rankings nach Indikatoren

Die Roland Berger- und fka-Experten bewerten die sieben wichtigsten Automobilnationen nach den drei Indikatoren Technologie, Industrie und Markt.

  • Technologie: Bei der Förderung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten bleibt China mit knapp 7,7 Milliarden Euro bis 2016 der Spitzenreiter, während Japan seine Fördermittel auf 171 Millionen Euro bis 2016 leicht aufstockt. In den meisten Automobilnationen hingegen sind die öffentlichen Subventionen der E-Mobilität stark rückgängig. Schlusslichter bilden hier die USA und Italien.
  • Industrie: Japan, die USA und China belegen die Top-3-Positionen, denn diese drei Länder zeigen einen hohen nationalen Anteil an der Wertschöpfung – sowohl bei der Automobilproduktion als auch bei der Zellfertigung. Die starke Inlandsnachfrage in Japan und den USA wirkt sich zudem negativ auf die Produktionsprognosen der europäischen OEMs aus. "Europäische E-Modelle spielen auf dem amerikanischen Markt nur eine sehr marginale Rolle", erklärt Roland Berger-Partner Wolfgang Bernhart. "Damit entgehen europäischen Automobilherstellern wichtige Absatzchancen für ihre neuen Elektroautos."
  • Markt: Die USA bleiben der Leitmarkt für E-Mobilität mit rund 120.000 verkauften Elektro- und Plug-In-Autos in den vergangenen 12 Monaten. Den größten Zuwachs verbucht aber der chinesische Markt: Mit knapp 53.000 verkauften Autos konnte das Land seinen Absatz gegenüber Vorjahr mehr als verdoppeln. Ein wesentlicher Grund: die hohe Nachfrage seitens der Städte und Kommunen. Zweistellige Zuwachsraten verzeichnen zudem Deutschland (27%) und Frankreich (13%). Betrachtet man die Anzahl der E-Fahrzeuge am gesamten Automobilmarkt eines Landes, so bleibt Frankreich mit 0,90 Prozent Marktanteil weiterhin an der Spitze, gefolgt von den USA (0,73%) und Japan (0,71%). Deutschland bewegt sich mit 0,43 Prozent wie bisher im Mittelfeld.
Top

Weitere Press releases