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Roland Berger-Studie: Schuldenkrise in Europa führt zu sinkenden Pkw-Absatzzahlen und bringt mehr als 20 Prozent der Automobilhändler in finanzielle Schwierigkeiten

München, 3. September 2012

  • Mehr als 20 Prozent der europäischen Automobilhändler sind finanziell unter Druck
  • Die anhaltende Schuldenkrise und geringes Konsumentenvertrauen lassen die Pkw-Absatzzahlen, insbesondere in Südeuropa, einbrechen
  • Die tatsächliche Finanzstärke der Händler ist für Automobilhersteller oft nicht transparent
  • Marktbezogene Risikoanalysen und Cashflow-Szenarien minimieren die Gefahr eines Liquiditätsengpasses bei Händlern

Für 2012 rechnen die Roland Berger-Experten mit einem Rückgang der europäischen Pkw-Absatzzahlen um rund 6 Prozent. Mittelfristig wird sich der Markt wieder erholen, allerdings sind durch die anhaltende Schuldenkrise rund 20 Prozent der Automobilhändler finanziell unter Druck und somit auch ein Großteil des Pkw-Absatzes in Gefahr. Hinzu kommt, dass die tatsächliche Finanzsituation vieler Händler für die Autohersteller nicht transparent ist, dies trifft insbesondere auf Mehrmarkenhändler zu. Daher sollten Hersteller umgehend einen Maßnahmenkatalog zur Risikominimierung und Stützung der relevanten Händler einleiten. Mithilfe einer detaillierten Risikoanalyse in Verbindung mit Cashflow-Szenarien können Verkaufsvolumina, Marktanteile und die nachhaltige Profitabilität der Händler trotz schwieriger Marktbedingungen abgesichert werden. Das sind die Ergebnisse der neuen Studie "Automotive Retail Business" von Roland Berger Strategy Consultants.

„Die derzeit rückläufigen Pkw-Absatzzahlen in Europa und der anhaltende Druck an den Finanzmärkten bereiten vielen Händlern signifikante Probleme im Tagesgeschäft", erläutert Marcus Hoffmann, Partner und Automobilexperte von Roland Berger Strategy Consultants. Rund 20 Prozent der Automobilhändler seien in finanziellen Schwierigkeiten und somit ein Großteil des Pkw-Absatzes gefährdet. "Die Automobilhersteller müssen umgehend reagieren, um die Profitabilität der Händler und somit auch die Funktionsfähigkeit ihres Vertriebsnetzwerkes nachhaltig sicherzustellen", sagt Hoffmann.

Automobilhersteller müssen Händler absichern

Sinkendes Verbrauchervertrauen und die anhaltende Unsicherheit hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung haben die Absatzzahlen europäischer Automobilhändler in den letzten Jahren negativ beeinflusst. Deutschland und Frankreich verzeichnen Rückgänge von durchschnittlich 1,4 bzw. 0,7 Prozent jährlich. Italien und Spanien haben mit im Durchschnitt 7,3 und 13,4 Prozent jährlich den stärksten Rückgang zu verzeichnen. Die rückläufigen Absatzzahlen der Händler setzen die Automobilhersteller unter Druck. Hinzu kommt, dass die finanzielle Situation der einzelnen Händler für die meisten Hersteller nicht ausreichend transparent ist. Zur Absicherung ihrer Absatz- und Ertragsziele sollten Automobilhersteller daher mit Hilfe eines dreistufigen Vorgehens die gegenwärtigen Herausforderungen ihrer Händler analysieren. Im ersten Schritt geht es um die Bewertung des aktuellen Risikos des einzelnen Händlers. Im nächsten Schritt sollte anhand von Szenarien der mögliche künftige Liquiditätsengpass ermittelt werden. Daraus abgeleitet werden individuelle Maßnahmen- und Umsetzungspläne zur Minimierung des Gefährdungspotential auf Seiten der Händler.

Drei Schritte zum Erfolg

Für die Risikobewertung ist es zunächst erforderlich, die Händler zu identifizieren, die für den Hersteller zum einen wirtschaftlich entscheidend sind, deren finanzielle Stabilität zum anderen aber bedroht sein könnte. Die hierfür relevanten Kennzahlen werden in einer Händler-Risikomatrix zusammengeführt. Durch diese statische Betrachtung wird eine erste Fokussierung sichergestellt. "Viele Händler überschätzen ihre künftige finanzielle Stärke, wodurch auch für die Hersteller das Gefährdungspotenzial pro Händler und für das Gesamtnetzwerk eines Marktes nicht transparent ist", erklärt Hoffmann. Daher ist es zwingend erforderlich, für die gefährdeten Händler eine Szenarien-basierte Cashflow-Vorhersage zu machen, um rechtzeitig Steuerungsmaßnahmen einleiten zu können, die den Händler bedarfsgerecht stützen. Um das gesamte Risikopotenzial in einem Markt zu quantifizieren, werden daher im zweiten Schritt alle identifizierten Händler in einem Liquiditäts-Cockpit zusammengeführt. Schlussendlich ist es wichtig, dass die Hersteller einen detaillierten Maßnahmenplan für jeden identifizierten Händler entwickeln und stringent umsetzen. So werden die finanziellen Schwierigkeiten von strategisch wichtigen Händlern überbrückt und profitables Wachstum unterstützt. Dieser Plan muss neben strukturellen Maßnahmen auch Aktivitäten auf Händler- und auf Hersteller-Ebene adressieren, wie beispielsweise Lagerbestandsoptimierung oder angepasste Kreditlinien und
-bedingungen. "Die kontinuierliche Erfolgsmessung und Feinsteuerung sind dabei im wahrsten Sinne des Wortes existenziell", fasst Marcus Hoffmann zusammen.

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