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Fehlstrategien in Entwicklungs- und Schwellenländern können deutsche Unternehmen mehrere hundert Millionen Dollar jährlich kosten

München, 19. Juli 2012

  • Entwicklungsländer planen Investitionen in Höhe von 30 Billionen Dollar im B-to-B- und B-to-C-Bereich in den nächsten 20 Jahren
  • Das große Wachstumspotenzial für Unternehmen wird jedoch von der politischen und wirtschaftlichen Instabilität dieser Länder überschattet
  • Szenario-Planung von Roland Berger Strategy Consultants und HHL Leipzig Graduate School of Management hilft Unternehmen, Strategien für einzelne Märkte zu entwickeln
  • Wichtige Faktoren wie Marktprotektionismus und Ressourcenzugang beeinflussen vier Zukunftsszenarien

Entwicklungs- und Schwellenländer bieten Unternehmen großes Wachstumspotenzial. Denn diese Länder planen in den kommenden 20 Jahren Investitionen in Höhe von 30 Billionen Dollar, um ihren B-to-B- und B-to-C-Sektor auszubauen. Damit steigen auch die Geschäftschancen für ausländische Investoren. Allerdings wird eine verlässliche Langzeitplanung auf den aufstrebenden Märkten aufgrund politischer und wirtschaftlicher Instabilität immer schwieriger. Um Fehlinvestitionen zu vermeiden, die deutsche Unternehmen mehrere hundert Millionen Dollar jährlich kosten könnten, sollten daher Firmen ihre Geschäftsstrategien in den jeweiligen Märkten mithilfe von Szenarien planen. Dabei sollten relevante Faktoren wie etwa Marktprotektionismus und Ressourcenzugang einbezogen werden. Das sind die Empfehlungen der Experten von Roland Berger Strategy Consultants in der neuen Publikation "The right strategy at the right time for emerging markets" aus der Reihe "8 Billion Business Opportunities". Die Studie ist Teil der GLOBAL TOPICS-Initiative von Roland Berger.

"In den nächsten 20 Jahren planen die Entwicklungs- und Schwellenländer ein Investitionsvolumen von rund 30 Billionen Dollar im B-to-B- und B-to-C-Bereich", sagt Bernd Brunke, Partner und Mitglied der weltweiten Geschäftsführung von Roland Berger Strategy Consultants. "Das wird die lokale Wirtschaft dieser Länder stark ankurbeln. Um an diesem Potenzial partizipieren zu können, müssen ausländische Unternehmen aber die wichtigsten Trends auf diesen Märkten erkennen und in eine passende Strategie umsetzen."

Volatilität der Märkte als große Gefahr

Die künftige Entwicklung der aufstrebenden Märkte abzuschätzen, ist jedoch schwierig. Denn verschiedene Faktoren beeinflussen ihre wirtschaftliche Lage – von der Entwicklung der Finanzmärkte über die schwankenden Rohstoffpreise bis hin zu politischen Aspekten. So bewegte sich der Shanghaier Aktienindex in den vergangenen fünf Jahren zwischen 1.500 und 6.000 Punkten. Im gleichen Zeitraum schwankte der Ölpreis um 250 Prozent – von 40 bis 140 Dollar pro Barrel. Auch variierte der Aluminiumpreis zwischen 1.400 und 3.300 Dollar pro Tonne. "Solche Schwankungen wirken sich enorm auf die Produktion und auf die Rentabilität vieler Unternehmen aus. Steigen Rohstoffpreise übermäßig, kann die Wettbewerbsfähigkeit einer Firma schnell gefährdet sein", warnt Roland Berger-Stratege Brunke.

Auch politische Schwankungen führen nicht selten zu wichtigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüchen – wie etwa beim Arabischen Frühling im Januar 2011. Ausländische Investoren sind über die Folgen solcher politischer Veränderungen unsicher. Denn das Geschäftsvolumen ausländischer Firmen im Nahen Osten beläuft sich auf 15 Milliarden Dollar pro Jahr. "Investoren sind da sehr vorsichtig, denn sie fürchten hohe Verluste, wenn die politische Lage instabil ist", erläutert Bernd Brunke.

Vier Zukunftsszenarien, um Gefahren vorzubeugen

Um diesen potenziellen Risiken besser entgegenzuwirken, hat Roland Berger Strategy Consultants in Zusammenarbeit mit HHL Leipzig Graduate School of Management eine Szenario-Methodik entwickelt, die Firmen hilft, wichtige Trends frühzeitig zu erkennen. Relevante Einflussfaktoren wie z.B. Marktprotektionismus oder der Zugang zu wichtigen Rohstoffen werden analysiert, um dann verschiedene Zukunftsszenarien für die einzelnen Regionen zu erarbeiten. Am Beispiel der verarbeitenden Industrie identifizieren die Roland Berger-Experten vier mögliche Szenarien.

  • "Das antagonistische Zeitalter"
    Dieses Szenario zeichnet sich durch einen hohen Grad an Protektionismus und niedrigen Ressourceneinsatz aus. Rohstoffreiche Länder entwickeln vor allem neue Produktionstechnologien, während rohstoffarme Länder an alternativen Materialien arbeiten und einen Know How-Vorsprung erzielen. Hohe Protektionsschranken erschweren jedoch den Marktzugang für europäische High Tech-Firmen in den Schwellenländern.
  • "Die polarisierte Welt "
    Hier herrscht starker Protektionismus, um nationale Interessen zu verteidigen. Der Ressourceneinsatz ist hoch; davon profitieren besonders rohstoffreiche Regionen, die über einen großen Binnenmarkt und zukunftsträchtige Technologien verfügen. Bei diesem Szenario sind Länder wie Nordamerika, China, Indien, Russland, Brasilien, Australien und der Nahe Osten im Vorteil. Rohstoffarme Regionen wie Westeuropa und Japan sind hingegen die Verlierer, da ein freier Rohstoffhandel und der Ausbau von Produktionskapazitäten kaum möglich sind.
  • "Die Verschwendungsgesellschaft"
    Dieses Szenario zeichnet sich durch geringen Protektionismus und hohen Ressourceneinsatz aus. Der Innovationsprozess folgt hier dem umgekehrten Weg wie sonst üblich (reverse innovation): Neue Produkte werden zunächst in den Schwellenländern entwickelt und dann auf die Bedürfnisse der entwickelten Volkswirtschaften angepasst und dorthin exportiert.
  • "Der grüne Kapitalismus"
    Entwickelte Ökonomien setzen auf eine Umgebung, die wenige protektionistische Barrieren kennt, und fördern somit frische Investitionen und Know-How-Transfer. Der Markt für erneuerbare Energien und alternative Mobilität erlebt Hochkonjunktur; westliche Länder können ihre grünen Technologien in die Schwellenländer exportieren. Bei diesem Szenario sind Westeuropa, Nordamerika, Japan, Brasilien, Indien und China im Vorteil. Benachteiligt sind vor allem Länder aus dem Nahen Osten, deren Wirtschaft auf dem Export fossiler Brennstoffe basiert.
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