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Fachkräftemangel im Gesundheitswesen: Medizinische Berufe verlieren in Deutschland an Attraktivität

München, 28. Oktober 2013

  • Fast 80 Prozent der deutschen Krankenhäuser spüren heute schon die Folgen des Fachkräftemangels
  • Demografischer Wandel: Bis 2030 wird sich die Anzahl der über 80-Jährigen verdoppeln
  • Dadurch wird der Fachkräftemangel bis 2015 auf rund 15 Prozent steigen
  • Medizin- und Pflegeberufe werden immer unattraktiver: Hoher bürokratischer Aufwand und Überstunden belasten das Image der Branche
  • Patientenkoordinatoren als wichtige Schnittstelle zwischen Medizin und Verwaltung, um Ärzte zu entlasten

Die deutsche Bevölkerung wird immer älter: Bis 2030 soll sich der Anteil der über 80-Jährigen voraussichtlich verdoppeln. Denn die durchschnittliche Lebenserwartung wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Für das deutsche Gesundheitssystem stellt das eine deutliche Herausforderung dar. Denn schon jetzt leiden fast 80 Prozent der deutschen Krankenhäuser darunter, nicht genügend gut qualifizierte Fachkräfte im medizinischen Bereich zu finden. Tendenz steigend.

So erwarten die Roland Berger-Experten in ihrer neuen Studie über "Fachkräftemangel im Gesundheitswesen", dass der Fachkräftemangel bis 2015 auf ca. 15 Prozent steigen wird. Dies entspricht rund 175.000 Stellen im medizinischen und Pflegebereich, die unbesetzt bleiben könnten. "Kliniken und Krankenhäuser sollten sich auf diesen Trend schnell einstellen – sowohl mit dem passenden Leistungsangebot als auch mit entsprechenden Personalstrukturen, die die Ärzte administrativ entlasten", rät daher Zun-Gon Kim, Partner von Roland Berger Strategy Consultants.

Demografischer Wandel: neues Leistungsangebot notwendig

Wird die Bevölkerung im Durchschnitt älter, ändern sich auch die Krankheitsbilder der Patienten und ihre Pflegebedürfnisse. So gehen die Roland Berger-Experten in ihrer Untersuchung davon aus, dass sich die Anzahl der Alzheimererkrankungen zwischen 2000 und 2030 sogar verdoppeln wird.

Aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters wird außerdem eine immer größere Anzahl von Menschen zeitgleich unter mehreren Krankheiten leiden (Multimorbidität). Entsprechend wird der Pflegebedarf in Deutschland bis 2030 um ca. 30 Prozent zunehmen. Auch Präventionsprogramme werden eine immer wichtigere Rolle spielen. "In Folge dieser Veränderungen in der deutschen Bevölkerung sollten Anbieter im Gesundheitswesen ihre Leistungen überdenken, um den Anschluss an den Markt nicht zu verpassen", empfiehlt Roland Berger-Experte Kim. "Personalisierte Therapieangebote sowie Präventionsprogramme auch in Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern werden an Bedeutung gewinnen."

Auch neue Technologien werden im Gesundheitswesen eine immer wichtigere Rolle spielen – für eine bessere Versorgung der Patienten zu Hause sowie in Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen. Entsprechend erwarten die Roland Berger-Experten, dass sich der Markt für Gesundheitswesen in den kommenden Jahren stark weiterentwickeln wird: Der erste Gesundheitsmarkt wird bis 2030 um ca. 3 Prozent jährlich, der zweite Gesundheitsmarkt sogar um 6 Prozent jährlich wachsen.

Patientenkoordinatoren für ein verbessertes Image der Medizinbranche

Doch der deutsche Gesundheitsmarkt benötigt nicht nur angepasste Leistungsangebote, sondern auch dringende Maßnahmen, um das Problem des Fachkräftemangels schnell in den Griff zu bekommen. "Werden Ärzte und Pflegepersonal vom bürokratischen Aufwand und dem hohen Überstundenpensum befreit, so werden diese Berufe für Medizinabsolventen wieder attraktiver", erklärt Dr. Kim. "Nur so lässt sich das Problem des akuten Fachkräftemangels in deutschen Krankenhäusern an den Wurzeln packen."

Die Einführung von so genannten "Patientenkoordinatoren" hätte hier zwei positive Folgen: das medizinische und Pflegepersonal würde deutlich entlastet und die Patienten wären mit den Leistungen der Ärzte und mit der Organisation in den Kliniken zufriedener. Denn die Patientenkoordinatoren könnten die administrativen Tätigkeiten in Krankenhäusern übernehmen und sich um die gesamten Prozesse rund um die Patienten kümmern: von der Patientenaufnahme über die Diagnostik und die Operationsplanung bis hin zur Patientenentlassung. "Krankenhauspatienten bekämen so eine Rundumbetreuung aus einer Hand. Dies würde die Abwicklung von bürokratischen Verfahren deutlich beschleunigen und die Ärzte und Pflegekräfte entlasten – zugunsten der Patientenbetreuung", fasst Berger-Partner Kim zusammen.

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