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Top Management Issues Radar 2012

München, 7. September 2012

  • Die europäische Luft- und Raumfahrtbranche sowie die Verteidigungsindustrie wollen verstärkt im außereuropäischen Ausland wachsen
  • Fast die Hälfte der Unternehmen plant ihren Umsatzanteil außerhalb Europas auf mindestens 60 Prozent auszubauen – Nord- und Südamerika sowie China sind bevorzugte Märkte
  • Verständnis für Kundenbedürfnisse und Markt-Know-how sowie politische Unterstützung sind die größten Herausforderungen beim Aufbau neuer Märkte
  • Bei aktuellen Themen spielen zum ersten Mal die Optimierung von Produktion und Supply-Chain-Management eine vorrangige Rolle
  • Top-Themen bis 2015: weitere Budget-Kürzungen im Verteidigungsbereich, effektives Produktions- und Supply-Chain-Management in der zivilen Luftfahrt, zunehmender Wettbewerb durch Schwellenländer und Hersteller

Die europäische Luft- und Raumfahrtbranche sowie die Verteidigungsindustrie setzen voll auf Globalisierung. Fast die Hälfte der Unternehmen plant künftig mindestens 60 Prozent der Umsätze außerhalb Europas zu erwirtschaften – vornehmlich in Nord- und Südamerika sowie China. Kurzfristig stehen die Unternehmen aber vor ganz anderen Herausforderungen: Während die Luftfahrtbranche mit gut gefüllten Auftragsbüchern ihre Lieferfähigkeit und profitable Abwicklung der Aufträge sicherstellen muss, kämpft die Verteidigungsindustrie weiter mit Investitionskürzungen in den Heimatmärkten. Für die Luftfahrtindustrie hat daher die Optimierung von Produktion und Supply-Chain-Management oberste Priorität. Die Verteidigungsindustrie dagegen kann nur durch massives Wachstum außerhalb Europas die rückläufigen lokalen Budgets kompensieren. Insgesamt stehen bis 2015 weiterhin das Produktions- und Supply Chain-Management, ein zunehmender Wettbewerb aus Schwellenländern sowie rückläufige Verteidigungsbudgets ganz oben auf der Agenda der Unternehmen. Das sind die zentralen Ergebnisse der jährlichen Umfrage "Top Management Issues Radar 2012 – European Aerospace & Defense Industry" von Roland Berger Strategy Consultants. Dabei wurden mehr als 100 Top-Manager aus sechs europäischen Ländern befragt.

"Um neue Aufträge braucht sich die Luftfahrt momentan keine Sorgen zu machen", sagt Manfred Hader, Partner von Roland Berger Strategy Consultants und Autor der Branchenstudie. "Jetzt gilt es vielmehr die Kapazitäten richtig zu planen, um Lieferengpässe zu vermeiden." Zunehmende Verlagerung der Kundenmärkte und wachsender Wettbewerb aus Schwellenländern zwingen die Anbieter allerdings künftig aktiv neue Märkte zu erschließen. Anders sieht es in der Verteidigungsindustrie aus: "Die anhaltenden Budgetkürzungen im öffentlichen Sektor setzen die Anbieter bereits stark unter Druck", sagt Hader. Die lokal geprägte Branche muss für künftiges Wachstum kurzfristig neue Märkte außerhalb Europas erschließen. Daher plant fast die Hälfte der Befragten ihren Umsatzanteil außerhalb Europas auf mindestens 60 Prozent auszubauen. Hierdurch sollen zudem Kunden- und Marktrisiken reduziert sowie die Marktposition in Wachstumsmärkten wie China langfristig gestärkt werden.

Lokale Partner sind entscheidend für Expansionserfolg

Als attraktivste Regionen für weitergehendes Engagement sehen die Befragten Nordamerika (26%), China (19 %) und Südamerika (14%). Die Unternehmen versuchen daher in diesen Ländern vor allem umfangreiches Marktwissen (36%), Kontakte zur Politik (21%) oder Entwicklungs- und Produktionsstätten (15%) aufzubauen. "Je nach Land lässt sich dies am besten mit Tochtergesellschaften oder in Form eines Joint Venture mit lokalen Partnern realisieren", sagt Jörg Wahler, Partner von Roland Berger und Co-Autor der Studie. "Bei 94 Prozent der Befragten dauert der Aufbau einer eigenen Gesellschaft mindestens zwei und manchmal mehr als fünf Jahre, schneller geht es kaum", so Wahler. Dabei liegen die größten Schwierigkeiten im Aufbau geeigneter Management- und Technikteams (25%) sowie in der einheitlichen Umsetzung lokaler und europäischer Standards (20%). Der Aufbau eigener Kapazitäten ist kosten- und zeitaufwendig und gestaltet sich in vielen Fällen schwierig, wenn keine geeigneten Mitarbeiter gefunden werden. Vielfach werden daher Joint Ventures mit lokalen Partnern gegründet, um auf den neuen Märkten schneller Fuß zu fassen und das vorhandene Markt-Know-how direkt nutzen zu können. Für 28 Prozent der Unternehmen ist die Beurteilung potenzieller Geschäftspartner dabei die schwierigste Aufgabe.

Auch der Aufbau zusätzlicher Entwicklungs- und Produktionskapazitäten außerhalb Europas hat eine hohe Priorität bei den Unternehmen. Über 40 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass in Zukunft mehr als ein Drittel ihrer Entwicklungsaktivitäten außerhalb Europas erfolgen. Die Märkte mit höchster Entwicklungskompetenz sind nach Einschätzung der Befragten Nordamerika (33%) gefolgt von Indien (30%). Bei Produktionskapazitäten gehen sogar über 60 Prozent der Unternehmen davon aus, dass mehr als ein Drittel der Produktion künftig außerhalb Europas erfolgen wird. Als Produktionsstandorte kommen vor allem China (22%) und Nordamerika (21%) in Frage. "China bietet sicherlich noch attraktive Kostenvorteile, allerdings dürfen die langen Lieferzeiten und die damit verbundenen höheren Frachtkosten sowie steigende Löhne nicht außer Acht gelassen werden", warnt Hader.

Hersteller und Zulieferer müssen Geschäftsmodelle erweitern

Sowohl die Luft- und Raumfahrtindustrie als auch die Verteidigungsindustrie werden bis 2015 im Wesentlichen mit den gleichen Themen konfrontiert wie heute. In der Verteidigungsbranche nennen fast 70 Prozent der befragten Unternehmen anhaltende Budgetkürzungen als größte Herausforderung. Sowohl im zivilen als auch im militärischen Sektor sehen 28 Prozent der Befragten neue Wettbewerber aus Schwellenländern wie China, Russland oder Korea als nachhaltig marktbeeinflussend. In der Luftfahrt werden vor allem effektives Produktions-Management (25%), die gesamtwirtschaftliche Entwicklung (20%) und eine höhere Komplexität in der Supply-Chain (19%) als ausschlaggebende Faktoren genannt. In der Neuausrichtung der Geschäftsmodelle der Hersteller erkennen 26 Prozent der Befragten einen weiteren Industrietrend. "Die Schnittstellen zwischen den großen Herstellern und ihren Lieferanten sind nicht stabil – es ist damit zu rechnen, dass sich beide entlang der Wertschöpfungskette neu ausrichten werden", resümiert Hader. Auch eine verstärkte Serviceorientierung der Hersteller mit umfangreichen Servicepaketen werde den Markt künftig nachhaltig verändern und derzeitige Anbieter verdrängen.

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