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Qualitätsorientierte Vergütung in deutschen Krankenhäusern muss kontrolliert eingeführt werden

München, 18. August 2015

  • Wirtschaftliche Situation deutscher Krankenhäuser ist alarmierend - 40 Prozent arbeiten nicht profitabel
  • Im internationalen Vergleich trotz angestiegener Gesundheitsausgaben weiterhin hohes Qualitätsverbesserungspotenzial stationärer Behandlungen
  • Einführung einer qualitätsorientierten Vergütung soll Behandlungsqualität weiter verbessern
  • Krankenhäuser müssen hierfür ihr Qualitätsmanagement neu ausrichten

Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser ist alarmierend: Kostendruck und gesetzliche Einsparmaßnahmen engen den finanziellen Spielraum immer weiter ein. Bereits 40 Prozent der Krankenhäuser schreiben rote Zahlen. Die Folge: Die Krankenhäuser haben wenig finanziellen Spielraum, um die Qualität stationärer Behandlungen weiter zu verbessern. Mit einer Krankenhausreform, die unter anderem eine qualitätsorientierte Vergütung beinhaltet, soll die aktuelle Situation verbessert werden. Welche Erfolgsfaktoren für das neue Vergütungssystem kritisch sind und wie es erfolgreich umgesetzt werden kann, beschreiben die Experten von Roland Berger Strategy Consultants in ihrer Studie "Qualitätsorientierte Vergütung im Krankenhaussektor: Die richtigen Anreize schaffen – Qualitätsdefizite in der stationären Versorgung beheben".

Krankenhausreform birgt viele Herausforderungen

2005 lag Deutschland im europäischen Vergleich noch auf Platz drei bei der Qualität stationärer Behandlungen. Ende 2013 lagen deutsche Krankenhäuser nur noch auf Platz neun, und das, obwohl das Land europaweit die zweithöchsten Gesundheitsausgaben verbucht. "Die Ausgaben werden oftmals nicht optimal eingesetzt, viele Krankenhäuser haben noch Verbesserungspotenzial", sagt Peter Magunia, Leiter der Healthcare Practice Deutschland bei Roland Berger und Autor der Studie.

Mit dem Krankenhausstrukturgesetz soll die Situation laut aktuellem Entwurf künftig deutlich verbessert werden. Die Reformziele sind ambitioniert: eine Verbesserung der stationären Behandlungsqualität, die gesetzliche Verankerung einer patientengerechten und höherwertigen Versorgung sowie Zu- bzw. Abschläge in Abhängigkeit von der Versorgungsqualität. Da es im deutschen Krankenhauswesen bisher keine Erfahrungen mit einer flächendeckenden qualitätsorientierten Vergütung gibt, muss eine entsprechende Reform kontrolliert eingeführt und ihre Umsetzung permanent überwacht werden. "In Deutschland wird die Behandlungsqualität bisher bei der Leistungsvergütung von Krankenhäusern nicht berücksichtigt, die Auswirkungen des neuen Systems sind daher nicht abschätzbar", sagt Berger-Partner Magunia. "Deshalb ist eine besonders sorgfältige Einführung inklusive engmaschiger Beobachtung der Auswirkungen zu empfehlen." Notwendig sind hierfür unter anderem neue, standardisierte Indikatoren zur Qualitätsmessung sowie eine von öffentlicher Seite zur Verfügung gestellte Informationsplattform, die es den Patienten erlaubt, die Qualitätsniveaus einzelner Krankenhäuser objektiv vergleichen zu können.

Erfolgsfaktoren für qualitätsorientierte Vergütungssysteme

Die Experten von Roland Berger haben auf Basis einer systematischen Analyse die einzelnen Erfolgsfaktoren identifiziert:

  • Qualitätsmessung:
    Die gesetzliche Qualitätsmessung sollte umgestaltet werden. Das neugeschaffene Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen sollte konkrete Leistungsbereiche, z.B. Hüft-Implantationen, definieren, die sowohl wirtschaftlich als auch medizinisch relevant sind. Zudem sind klare Qualitätsmerkmale für eine hochwertige Behandlung, wie etwa die Häufigkeit der Wiederaufnahme aufgrund von Komplikationen, festzulegen. Da bisherige, gesetzliche Indikatoren zur Qualitätsmessung nur bedingt geeignet sind, müssen zudem neue Indikatoren festgelegt werden, die das Behandlungsergebnis stärker berücksichtigen und eine Risikoadjustierung erlauben. "Eine Risikoadjustierung ist notwendig, um einen gerechten Vergleich zwischen der Behandlungsqualität verschiedener Krankenhäuser zu gewährleisten. Nur so können die Messergebnisse zwischen einem Krankenhaus der Grundversorgung und einem Universitätsklinikum vergleichbar gemacht werden", erklärt Peter Magunia.
  • Anreizsystem:
    Um nachhaltiges Vertrauen in ein qualitätsorientiertes Vergütungssystem bei allen Beteiligten aufzubauen, darf sich die Vergütung nicht an kurzfristigen Zielen orientieren, sondern muss langfristig als Anreiz wirken. Um die Transparenz zu verbessern, sollten die gemessenen Qualitätsdaten auf einer Public Reporting-Plattform öffentlich zugänglich gemacht werden. So können Patienten schnell und einfach gute Krankenhäuser von schlechten unterscheiden und zwischen den Krankenhäusern entsteht ein Qualitätswettbewerb, um im Ranking weiter nach oben zu gelangen.
  • Rechtliche Rahmenbedingungen:
    Die Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen ist aber nur unter entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen möglich. "Die Qualitätsmessung sollte für alle Kostenträger und Krankenhäuser standardisiert vorgegeben werden", sagt Magunia. Ebenso müssen die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, um die Behandlungsdaten aller Kostenträger / Krankenkassen sowie Krankenhäuser sammeln und auswerten zu können.

Qualitätsmanagement muss neu ausgerichtet werden

Um auf die künftig steigenden Qualitätsanforderungen und ein qualitätsorientiertes Vergütungssystem reagieren zu können, empfehlen die Roland Berger-Experten, das Qualitätsmanagement in deutschen Krankenhäusern neu auszurichten. Krankenhäuser müssen standardisierte Mess- und Steuerungssysteme einführen und Prozesse sowie Strukturen auf jene Faktoren neu ausrichten, die maßgeblich für die Behandlungsqualität von Patienten sind. Mitarbeiter sollten im gesamten Qualitätsprozess von Anfang an aktiv eingebunden werden, um die Notwendigkeit einer Neuausrichtung klar zu machen und mögliche Widerstände zu vermeiden.

Anhand von Pilotprojekten erfolgt die Umsetzung in fünf Schritten: Zunächst erfolgt eine systematische Überprüfung des bisherigen Qualitätsmanagements auf Verbesserungspotenziale mittels eines Soll-Ist-Vergleichs bestehender Qualitätssysteme. Danach werden die neu zu strukturierenden Bereiche oder Prozesse definiert, Umsetzungsschritte, Zeitrahmen und Verantwortlichkeiten festgelegt sowie unterstützende Controllingsysteme aufgesetzt. Nach erfolgreicher Beendigung des Pilotprojekts erfolgt dann der klinikweite Roll-out.

„Deutsche Krankenhäuser müssen sich heute schon auf die künftigen Veränderungen vorbereiten, um die Krankenhausreform erfolgreich umsetzen zu können", fasst Peter Magunia zusammen.

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