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Wachstumsregion Südostasien: großes Potenzial und große Herausforderungen

Jakarta, 21. Oktober 2015

  • Roland Berger "Southeast Asia's Economic Outlook" analysiert eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaftsregionen weltweit
  • Anziehungskraft für ausländische Investoren und Unternehmen wird weiter zunehmen
  • Die Region zeigt Nachholbedarf bei Wettbewerbsfähigkeit, Effizienz und Bürokratieabbau, damit sie weiter wachsen kann

Die Region Südostasien zeichnet sich seit Jahren durch ihre steigende Bevölkerung und ein weltweit überdurchschnittliches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Deshalb gilt die Region als weltweiter Wachstums-Cluster, der auch in Zukunft wirtschaftliche Aktivitäten anziehen wird. Treiber dieser starken Entwicklung sind in erster Linie intraregionale Investitionen, während die Attraktivität für ausländische Investoren noch gesteigert werden kann. Zu diesem Fazit kommen die Roland Berger-Experten in ihrer jüngsten Studie "Southeast Asia's Economic Outlook – The Big Picture".

Zwischen 2000 und 2014 sind demnach die intraregionalen Investitionen um 28 Prozent gestiegen. Gründe dafür sind die verbesserten Beziehungen zwischen den Ländern und die grenzüberschreitende Migration in der Region. Zusätzlich dürfte die ASEAN-Wirtschaftsgemeinschaft, die bis Ende 2015 verwirklicht werden soll, die wirtschaftliche Integration weiter fördern und das kräftige Wachstum in der Region zementieren. Die Roland Berger-Experten attestieren der Region dementsprechend bei Handel und intraregionaler Entwicklung eine sehr gute Ausgangslage.

Dagegen haben die Investitionen von außerhalb der Region in den vergangenen fünf Jahren nur um 12 Prozent zugelegt. "Die südostasiatischen Länder hinken in Sachen Wettbewerbsfähigkeit hinterher und können so auch ihr Potenzial zur Anziehung von Investitionen nicht voll ausschöpfen", sagt Anthonie Versluis, Managing Partner von Roland Berger in Malaysia. "Um für ausländische Investoren attraktiver zu werden, müssen die Länder ihre Markteffizienz und technologische Reife verbessern." Ziel müsse sein, sich zu innovationsgetriebenen Volkswirtschaften weiterzuentwickeln. Außerdem sollten sie ihre Bürokratie weiter abbauen, um das Geschäftsklima zu verbessern. "Das gilt vor allem für die so genannten CLMV-Länder Kambodscha, Laos, Myanmar und Vietnam."

Indonesien: tiefgreifende Veränderungen erforderlich

In der Analyse der einzelnen Länder legt die Studie einen besonderen Fokus auf das Geschäftspotenzial von Indonesien, das mit seinem umfangreichen und vielfältigen Angebot an natürlichen Ressourcen einer der größten Rohstoffexporteure der Welt ist. Die Roland Berger-Experten warnen jedoch, dass institutionelle Probleme wie Korruption und Überregulierung das weitere Wirtschaftswachstum behindern könnten.

Daher sind tiefgreifende Strukturreformen erforderlich, damit Indonesien sein Potenzial nutzen und künftige Herausforderungen wie die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Inflationskontrolle meistern kann. Ohne diese wichtigen Reformen wird das indonesische BIP pro Kopf im Jahr 2020 lediglich bei knapp 5.000 Dollar liegen und damit deutlich unter dem Niveau von Malaysia (ca. 17.500 Dollar) und Thailand (ca. 7.500 Dollar). Auch die Inflation wäre in diesem Fall in Indonesien deutlich höher und würde 2020 mit 4,7 Prozent die moderaten Inflationsraten in Malaysia (2,9%) und Thailand (1,9%) übertreffen.

Kambodscha, Laos, Myanmar und Vietnam auf dem Vormarsch

Für die vier CLMV-Volkswirtschaften (Kambodscha, Laos, Myanmar, Vietnam) beobachten die Roland Berger-Experten ein rasantes Wirtschaftswachstum, von dem in- und ausländische Unternehmen profitieren. Das Wachstum wird insbesondere durch hohe ausländische Direktinvestitionen und die Nähe zu China befeuert. Die wirtschaftliche Liberalisierung und verbesserte Beziehungen zu wichtigen Handelspartnern wie der EU und den USA dürften zusätzlichen Schub geben.

Unter den CLMV-Ländern belegte Myanmar in den vergangenen zehn Jahren den Spitzenplatz beim Wachstum des realen BIP, des BIP pro Kopf und des Gesamthandels. Bei der Zunahme ausländischer Direktinvestitionen lag Laos vorne: Diese nahmen in den vergangenen zehn Jahren um 47 Prozent zu. Die Gründe: Der Ausbau des Handels mit Nachbarländern, Infrastrukturverbesserungen und die Entwicklung von Tourismus und der Rohstoffindustrie.

Ein Hauptproblem der CLMV-Volkswirtschaften liegt jedoch in der geringen Produktivität ihrer Landwirtschaft. In Summe trägt der Agrarsektor mehr als ein Viertel zum BIP der Länder bei, doch seine Produktivität, gemessen als Wertschöpfung pro Arbeiter, lag 2013 nur zwischen 480 und 540 Dollar. Zum Vergleich: Indonesien, die Philippinen und Thailand bewegen sich in einer Bandbreite zwischen 1.000 und 1.200 Dollar.

Einen Lichtblick sehen die Roland Berger-Experten bei der Infrastruktur in den CLMV-Ländern. "Die Regierungen bemühen sich sehr, die Vernetzung zu verbessern und ihre wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit durch stärkere Einbindung in die Wirtschaft Südostasiens zu steigern", sagt Anthonie Versluis. "Auch das Bildungssystem verzeichnet Fortschritte, entsprechend dürfte sich die Qualifizierung der Arbeitskräfte verbessern."

Prosperierende Schlüsselbranchen

In ihrer Studie heben die Roland Berger-Experten ausgewählte Branchen hervor, die besonders stark wachsen. So profitieren etwa Automobilhersteller in Indonesien von einer zunehmenden Mittelschicht und einer wachstumsfreundlichen Industriepolitik. Ihre Produktionskapazitäten dürften daher deutlich ansteigen: bei leichten Nutzfahrzeugen in Indonesien um fast neun Prozent pro Jahr; in der gesamten südostasiatischen Region um mehr als fünf Prozent pro Jahr. Für die Entwicklung der Automobilindustrie werden sich auch der Ausbau der Transportinfrastruktur sowie der Straßennetze positiv auswirken.

Bei der Energiepolitik gewinnen erneuerbare Energien auch in Südostasien an Bedeutung. So will zum Beispiel Indonesien bis 2025 rund 23 Prozent seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen decken. Besonders die Wasserkraft steht dabei im Fokus: Vietnam hat bereits Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von mehr als 14 Gigawatt installiert, Indonesien folgt an zweiter Stelle mit einem Wasserkraftwerkspark mit mehr als 5 Gigawatt Leistung. Bis 2020 will das Land elf Prozent seines Energiebedarfs durch Wasserkraft decken.

Die Energieversorgung ist vor allem für die energieintensive Stahlindustrie entscheidend. In dieser Branche hat Südostasien erhebliches Wachstumspotenzial. Denn aktuell liegt der Stahlverbrauch pro Kopf in der Region nur bei etwa der Hälfte des globalen Durchschnitts von 220 Kilogramm pro Jahr. Treiber der stärkeren Stahlnachfrage werden hauptsächlich die Baubranche, die Automobilindustrie und der Maschinenbau sein.

Einen weiteren wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Region stellt die Tourismusindustrie dar. Hier erwarten die Experten kräftiges Wachstum: Bis 2030 wird sich die Zahl der Touristen in Südostasien fast verdoppeln. Allerdings werden andere Regionen wie Nordost-Asien noch höhere Wachstumsraten verbuchen. Als Haupthindernisse für die Entwicklung der Tourismusbranche nennt die Studie allerdings Umweltverschmutzung, Sicherheitsbedenken, schlechte Hygiene-Standards und ein Mangel an gut ausgebildetem Personal. Länder, die den Tourismus ernsthaft ankurbeln wollen, sollten sich mit diesen Herausforderungen beschäftigen und darüber hinaus aktiv werden, um mehr Touristen ins Land zu holen. Dazu gehören etwa Erleichterungen bei den Visa-Bestimmungen oder auch der Aufbau von Express-Verbindungen für Südostasien-Touristen.

"Insgesamt sind die Länder Südostasiens ein attraktives Feld nicht nur für Touristen, sondern auch für Unternehmen und Investoren, die an den Chancen in einer der am schnellsten wachsenden Regionen der Welt teilhaben wollen", fasst Anthonie Versluis zusammen.

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